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Athleten-Interview mit Jürgen Reis - Part 1

26.06.2014



„Glück ist nicht, das zu tun, was du tun willst – sondern das zu lieben, was du tust!“ Sagt Profi Kletterer Jürgen Reis. Der 37-Jährige stand der NBB&F im Interview Rede und Antwort.

NBB & F: Hallo Jürgen! Durch deine Tätigkeit als Kolumnist bist du den meisten Lesern des NBB&F Magazins Magazins bereits bestens bekannt. Dennoch – stelle dich bitte zunächst den Lesern von Natural Bodybuilding & Fitness vor. Eine Detailfrage gleich zu Beginn dieses Interviews: In den vergangenen Jahren gab es mehr von dir zu lesen und zu hören als von jedem anderen Kletterer. Du entsprichst nicht wirklich der Idee des 08/15- Vollprofisportlers, oder?

Jürgen Reis: Ich bin ein 37-Jähriger, der seinen größten Kindheitstraum Schritt für Schritt umgesetzt hat. Auch vieles, was ich in meinem Leben „nebenher“ realisierte, verdanke ich dem Sport. Den bislang einzigen „normalen 40- Stunden-Job“ gab ich 1995 wenige Wochen vor meinem 19. Geburtstag auf, um Kletter- Profi zu werden. Dennoch waren seit diesem Zeitpunkt stets auch andere Lebensinhalte enorm wichtig für mich.

Damit komme ich gleich zur Beantwortung der Frage nach dem „Nicht 08/15-Profis“: Anfangs fiel es mir nicht leicht, das rechte Maß zu finden. Doch ich wollte schon immer mehr sein als „nur“ ein starker Kletterer. Und wenn ich etwas mache, dann gebe ich dafür immer 100 Prozent Einsatz. Diese Eigenschaft ist wohl eines meiner Persönlichkeitsmerkmale. Von 1996 bis 2003 war ich „nebenbei“ IT-Unternehmer und zugegebenermaßen wohl nur „80-Prozent-Kletter-Profi“. Ein Handbruch im Herbst 2003 erforderte endgültig meine Entscheidung für den Vollzeitberuf als Sportler. Durch diese Verletzung wurde mir klar, dass mein Körper – speziell im therapeutischen Bereich und im Ausgleichstrainingsbereich – noch mehr an Zeit verlangte. Infolgedessen reduzierte ich die IT-Arbeit. Ich schrieb „Das Peak-Prinzip“ und die Folgebücher. Auch betreute ich bereits bestehende Kunden meines IT-Unternehmens weiterhin als Consultant. Aber all das wurde dann in den Jahren 2006/2007 erneut zu viel.

Mein Mentor, Clarence Bass, riet mir bei meinem ersten Besuch bei ihm in den USA zur Fokussierung auf die Dinge im Leben, die mir wichtig sind. Zurück in Österreich, war die IT-Sache dann endgültig Geschichte. Seither lebe ich von meiner Tätigkeit als selbstständiger Coach und Seminartrainer, und von den Sponsorverträgen. Alle meine Folgeprojekte, beispielsweise der Power-Quest.cc-Podcast, mein Peak-Time-2-Konzept, das ich direkt an Athleten weitergebe, Filmprojekte etc., sind seit 2007 zu 100 Prozent auf den Sport fokussiert. Und das ist genau das, was ich immer anstrebte!

NBB & F: Wodurch bist du erstmalig mit dem Klettersport in Berührung gekommen, und warst du vor Beginn deiner Laufbahn als Sportkletterer-Profi bereits sportlich aktiv?

Jürgen Reis: Mein Einstieg in den Klettersport erfolgte erst sehr spät, nämlich im Alter von 17 Jahren. Ein regionaler Top-Wettkampf- Sportkletterer nahm mich mit in den Klettergarten in einer Schlucht, die direkt über Dornbirn gelegen ist. Da war es um mich geschehen. Ich fand sofort Anschluss an die teils sehr leistungsorientierte Vorarlberger Kletterszene und trainierte wohl von Anbeginn an recht professionell. Zuerst in Klettergärten, dann an einer Heimwand, die ich im Elternhaus zimmerte, und schließlich in verschiedenen Kletterhallen. 4 bis 5 Trainingseinheiten von jeweils ca. 4 bis 6 Stunden pro Woche, und ich war innerhalb von nur sieben Monaten Vorarlberger Landesmeister in einer Amateur-Klasse und bezwang den oberen 8. UIAA-Grad im Onsight.

Durch meine Vollzeitarbeit kam allerdings die Regeneration zu kurz, und so war es für mich ein logischer nächster Schritt, dass ich bereits eineinhalb Jahre später Profi wurde. Meiner sportlichen Laufbahn ging eine aus meiner Sicht zwar „unsportliche“, aber sehr bewegte Kindheit und Schulzeit voraus. Im Vergleich zu manch heutiger Kinder- und Jugendrealität waren meine frühen Jahre aber durchaus sehr bewegt. Meine Eltern (Vater: damals Leistungsfußballer und Professor für Sport; Mutter: naturbegeisterte Bio- Kochlehrerin) sorgten dafür, dass ich, ohne jemals mit Leistungs-, Vereins- oder Wettkampfsport ernsthaft in Berührung gekommen zu sein, dennoch quasi das ganze Jahr über immer reichlich frische Luft, Aktivität und „Action“ bekam. Skifahren, Wandern, Schwimmen, aber auch Baum klettern standen auf meinem Bewegungs programm.

Als Vorarlberger Bub sind diese sportlichen Aktivitäten ohnehin „Must-haves“. Vor allem gab’s die meiste Zeit über weder Auto noch TV, sondern stattdessen den täglichen Schulweg von 45 Minuten Fußmarsch pro Wegstrecke und die mit Freunden oft abenteuerlich verbrachte Freizeit in den Wäldern vor der Stadt. Zusätzlich animierte mich speziell mein Vater immer wieder für neue Sportarten, in die ich zwischendurch „reinschnuppern“ durfte: Fußball, Kindervereins- Skirennen, Kajak fahren, Langlaufen, Rennradfahren, Ski springen und tatsächlich auch Klettern. Doch leider kam ich zur damaligen Zeit nur ganz kurz mit dem Klettern in Berührung. Mit ca. 7 Jahren bekam ich bei einem Messebesuch die Chance, mich an einer Kletterwand zu versuchen. Meine Mutter meinte, ich sei da raufgehuscht wie ein Wiesel, und der Betreuer hätte seinen Augen nicht getraut. Doch leider war der Messe- Aussteller ein Wanderverein, der Klettern nur zweimal pro Jahr in seinem Angebot hatte. Zur selben Zeit besuchte ich zusammen mit meinem Vater einen der ersten Kletterwelt - cups. Ich denke, dass bereits dort etwas in meinem Unterbewusstsein passierte. Sportlich ernst wurde es dann jedenfalls als Teenager. Nach gut zwei sportlichen „Pausenjahren“, die ich hauptsächlich vor einem der ersten Heim-PCs verbrachte, empfand ich mich im Alter von 14 Jahren als viel zu dünn und fühlte mich nicht wohl in meiner Haut. Deshalb änderte ich, gemeinsam mit meinem besten Freund Robert, radikal meinen Tagesablauf.

Von einem Tag auf den anderen joggten wir täglich zum Fitness- Parcours Dornbirn. Dort absolvierten wir zuerst 400-m-Sprints und dann den kompletten Parcours mit allen 20 darin integrierten Stationen; beispielweise der Hangelleiter, dem Klettertau, dem Dip-Barren, der Klimmzugstange & Co. Zu Hause gab’s für mich dann noch zwei Stunden „Zusatz - training“ mit Kurzhanteln, einem mit Steinen gefüllten Rucksack und mit dem eigenen Körpergewicht. Ergänzend brachten wir uns selbst ein wenig Karate bei. Das Mountainbike fahren und die absolvierten Bergläufe taten ihr Übriges. Das Wort „Übertraining“ kannten übrigens weder Robert noch ich.

Im Ernst: Wir zogen die Sache drei volle Jahre lang durch. Am Wochenende trainierten wir meistens sogar in einer Art Doppelsplit- Workout-Strategie. Durch dieses straffe Sportprogramm war ich bereits vor dem Beginn der Aufnahme des Kletter trainings in der Lage, ca. 25 Klimmzüge hintereinander, vollständige Hangelleiter-Sessions und über 100 Liegestütze am Stück zu meistern. In Kombination mit der aus dem Kampfsport erworbenen Kondition und der Beweglichkeit verfügte ich durchaus über einen „dezenten Startvorteil“ für meine neue Sportliebe.

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Fakten über Jürgen Reis


GEGEBURTSDATUM:
13. August 1976

BODY:
54,0 kg Wettkampfgewicht
– 56,0 kg Off-Season-
Gewicht bei 1,70 m Körpergröße

MIND:
Kraftsport-Autor (Peak-Trilogie, Power-Quest 1 + 2); geprüfter BSA-Leistungssport-Body-Trainer; ausgebildeter WIFI-Trainer und –Coach; geprüfter NLP-Practitioner nach DVNLP; staatlich geprüfter Leistungssportlehrwart; Film „Natural Bodybuilder meets Climber“ (BodybuildingRev/YouTube); DVD-Film „Peak-Days“; NBB & F-Kolumnist seit 2011; Podcast Power-Quest.cc mit derzeit 444 kostenlosen MP3-Sendungen (Stand März 2014), inklusive Interviews mit zahlreichen Bodybuilding-Stars (Tipp: „GNBF“ oder „Bodybuilding“ in die Suchfunktion des Portals eingeben)

SPORTLICHE ERFOLGE:
10. Platz Weltcup Singapur August 2002;
2. Platz Edelrid-Masters Ottobeuren 2006;
2. Platz ÖM 2006; 15. Platz Weltcup Marbella 2006;
3. Platz Gesamtwertung Austria Cup 2009, 2010 und 2012;
5. Platz ÖM 2013 sowie Qualifikation für das internationale Rockmaster-Open-Turnier in Arco 2013

SPONSOREN:
Body Attack; Climb X; Sportstadt Dornbirn; B-Quadrat; 2-Rad Feurstein; NOVA Wirtschaftskanzlei; Paterno Bürowelt; Herburger Reisen; K1 Kletterhalle Dornbirn; Bio-Bäck Bischof; Magic Fit Dornbirn

LEBENSMOTTO:
„Glück ist nicht, das zu tun, was du tun willst – sondern das zu lieben, was du tust!“

WEBTIPP:
Der von Jürgen Reis mitinitiierte und moderierte Kraft sport-Podcast findet sich online unter www.Power-Quest.cc.

Aktuelle redaktionelle Berichte über seine On- und „Never-Off-Season“-Strategien erscheinen regelmäßig bei www.bodyattack-sportsteam.de sowie auf seiner eigenen Facebook- und google+-Präsenz.

Lest in Part 2 : Warum jeder Athlet Wettkämpfe bestreiten sollte

NBB&F Magazin
Fotos: Archiv www.juergenreis.com, Kurt Hechenberger, Mag. Heiko Wilhelm, Simon Liesinger






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