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Erinnerungen von Wilfried Dubbels Part 1

07.06.2013


In den 1960er- und 1970er- Jahren steckte die Sportmedizin noch in den Kinderschuhen. Bodybuilding war kaum Thema wissenschaftlicher Studien, ja, nicht einmal in den Medien vertreten. Unter Gewichtheben und Kraftsport konnte man sich eher etwas vorstellen. Nahrungs ergänzungsmittel wurden in unseriösen Anzeigen wie „10 Pfund Muskeln in 10 Tagen“ in sogenannten Schmökern angepriesen. Als „Pionier“ war ich gezwungen, mit selbst gebauten Geräten nach der „Trial-and-Error- Methode“ allein im Heimstudio zu trainieren, und kopierte die Trainings - programme meiner Idole.

Wie alles anfing …
Meine Trainingsausrüstung bestand aus einer selbst gebauten Langhantel. Dafür musste eine alte Brechstange herhalten, die in einem mit Zement gefüllten Eimer gesteckt wurde. Als der Zement erhärtet war, wurde das andere Ende der Stange in einen mit Zement gefüllten Eimer gesteckt und gewartet, bis auch dieser Zement hart war. Fertig war meine Langhantel. Als „Kurzhanteln“ verwendete ich zwei Eimer, die ich mit Backsteinen gefüllt hatte. Großer Vorteil beider „Kurzhanteln“ im Vergleich zur „Langhantel“: Das Gewicht war variabel. Nachteil: Die „Kurzhanteln“ waren sehr unhandlich.

Zwei Holzböcke dienten mir als Ablage, und ein Expander, den ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, sowie ein Klimmzugreck, das bei uns im Garten stand, vervollständigten mein „Heimstudio“.
Mit dieser „Ausrüstung“ konnte ich meinen Körper in zwei Jahren total verändern und wurde vom Schwächling zum Klassenstärksten. Ich hatte mein Körpergewicht von 55 kg mit 15 Jahren auf 85 kg mit 17 Jahren erhöhen können. 30 kg Gewichtzunahme in zwei Jahren mit minimaler Trainingsausrüstung. Nicht schlecht für den Anfang, oder? Mit 17 Jahren konnte ich mir endlich einen richtigen Langhantelsatz sowie Kurzhanteln, zwei verstellbare Trainings bänke, einen Kniebeugenständer und eine Hantelablage leisten, da ich mir in den Schulferien etwas Geld verdient hatte. So habe ich mich auf Meisterschaften vorbereitet.

In Fitnessstudios konnte ich nur sporadisch trainieren. Ich trainierte gelegentlich während der Klassenfahrten, die vom Gymnasium organisiert wurden: zum Beispiel bei Reinhard Smolana in München und bei Peter Gottlob in Stuttgart, den ich kurz zuvor im Fernsehen gesehen hatte. Peter Gottlob berichtete in der Aktuellen Schaubude, dass er seinen erhöhten Eiweißbedarf überwiegend mit Magerquark decke. Seitdem konsumierte ich täglich 1 kg Magerquark. Nach meinem Abitur habe ich mich zwei Monate lang auf meine erste Meisterschaft, die Mr.-Berlin-Wahl, in Peter Klay’s Studio in Berlin vorbereitet. Ich gewann auf Anhieb. Kurz vor der Deutschen Meisterschaft holte ich mir noch einige Tipps von Peter Gottlob.

Die Fitnessstudios waren seinerzeit nicht annähernd so gut ausgestattet wie heutzutage, aber alle Bodybuilder trainierten mit „Biss“ und waren hoch motiviert. Als Trainingsmaschinen gab es in sehr gut ausgestatteten Studios vielleicht einmal einen Latissimus-Zugturm und eine Hacken - schmidt- Maschine. Erst zehn Jahre später kam mit Arthur Jones’ Nautilus-Maschinen der Umbruch.
Wie ein „Besessener“ trainierte ich jede Muskelgruppe mindestens 2-mal pro Woche mit 3 bis 6 verschiedenen Übungen à 3 mal 8 Wiederholungen bei jedem Workout bis zur totalen Erschöpfung. So kam ich auf 6 Tage pro Woche, bis zu 2,5 Stunden Training je Einheit.

Heute weiß ich, dass solche täglichen Trainingsmarathoneinheiten erhöhte Corti - solspiegel zur Folge haben. Cortisol ist als Gegenspieler des Testosterons der größte Feind des Bodybuilders und verursacht Muskelabbau. Außerdem hatte ich auch inzwischen die Erfahrung gemacht, dass weniger Training effizienter ist. Ich stellte fest, dass ich jedes Mal nach einer Meisterschaft, wenn ich das Training locker anging (2- bis 3-mal pro Woche), und nicht während der Meisterschaft, in Topform war. Seit Jahren ist mein Trainingsplan daher nicht mehr so umfangreich. Wenn es mir die Zeit nicht erlaubt, trainiere ich nur an jedem zweiten Tag und jede Muskelgruppe nur 1-mal pro Woche. Wenn ich an einen „toten Punkt“ gelange, kann es aber auch sein, dass ich jede Muskelgruppe 3-mal pro Woche mit einer einzigen Grundübung bis an die Grenzen belaste. Der Trainingsplan ist dann zwar stark reduziert, aber dafür sehr effizient bezüglich Kraft und Masse. In Zyklen variiere ich die Anzahl an Wiederholungen und gebe dem Muskel keine Chance, sich an das Training zu gewöhnen. Man muss ständig versuchen, den Muskel zu überlisten und zum Wachstum zu zwingen. Dazu muss man nicht stundenlang trainieren. Kurz, abwechslungsreich und intensiv sollte das Training sein. So bleibt man Jahrzehnte motiviert. Können Sie sich vorstellen, dass ich mich nach 47 Jahren immer noch auf das Training freuen kann?!

In der Bestform meines Lebens war ich im Sommer 1985. Also fast 15 Jahre nach meinem Gesamtsieg als Mr. Germany Jr. Ich hatte jedoch kein Interesse mehr an Meisterschaften. Außerdem war ich durch meine berufliche Tätigkeit als selbstständiger Apotheker indisponiert. Meine Frau Marion hat die Bestform mit einem „Fotoapparat“ dokumentiert.

Ernährungsumstellung
Als ich mich noch im Wachstum befand und während der ersten Trainingsjahre habe ich alles gegessen, was auf den Tisch kam. Erst durch den Auftritt von Peter Gottlob in der Aktuellen Schaubude habe ich mir Gedanken über meinen Eiweißbedarf gemacht. Ich reduzierte den Konsum von tierischen Fetten, aß viel Obst und Magerquark und ergänzte in den Trainingsplateauphasen und vor Meisterschaften meine Ernährung mit Aminosäuren und B-Vitaminen. Die alten Hasen werden sich sicherlich noch an das furchtbar schmeckende Aminotrat und an Aktivanad, das es immer noch gibt, erinnern.

Als Zwischenmahlzeit wurde ein Eiweißdrink aus Glidine oder Kernmark zubereitet. Glidine war ein mit der Aminosäure Lysin aufgewertetes Weizeneiweiß und Kernmark eine Weiterentwicklung aus dem Hause Dr. Klopfer mit ebenfalls niedriger Wertigkeit. Qualität und Geschmack waren nicht vergleichbar mit den heute auf dem Markt befindlichen Erzeugnissen. Milch- und Ei- Proteinkonzentrate gab es noch nicht, und speziell für Bodybuilder geeignete Nahrungs - ergänzungsmittel musste man sich aus dem Ausland besorgen, zum Beispiel über Reg Park in Großbritannien.

Mr. Universum und Herkules-Darsteller Reg Park hatte sich in Leeds ein entsprechendes Versandunternehmen aufgebaut und ist später nach Südafrika ausgewandert. Während dieser Zeit habe ich meinen Körper definieren und formen können, ohne an Kraft und Muskelmasse zu verlieren. Das Resultat war ein muskulöser Körper mit schlanker Mittelpartie, breiten Schultern und großflächigen Latissimus-Muskeln. Mit Training und entsprechender Ernährung kann jeder seinen Körper verändern. Nicht jeder hat das Potenzial, Mr. Olympia zu werden. Aber jeder kann aus seinem Typ das Beste machen.

Nicht nur die Trainingswissenschaften, sondern insbesondere die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Sporternährung haben auch die Leistungen der heutigen Bodybuilding-Stars vorangetrieben. Die Ernährung und Nahrungsergänzung sind für den zielstrebigen Bodybuilder heutzutage daher genauso wichtig wie das Training. Denn im erfolgreichen Leistungs-Bodybuilding müssen folgende Grundbe - dingungen erfüllt sein:

1. Ausreichende Wachstumsreize durch Training
2. Schnelle Regeneration durch Nährstoffe (denn nur ein vollständig regenerierter Muskel kann überkompensieren) …

...und wie es weiterging!
Kurz nach meinem Abitur und während der Praktikantenzeit zur Ausbildung zum Apotheker habe ich an verschiedenen Meisterschaften teilgenommen, die ich fast alle als Gesamtsieger aller Klassen gewonnen habe. Lediglich bei meiner ersten Teilnahme zur Deutschen Meisterschaft musste ich mich mit dem zweiten Platz begnügen.

Meine Titel in 1970 waren:
Mr. Berlin, Mr. Norddeutschland, Bestgebauter Athlet der Filmfestspiele Mr. Body.
Im Jahr 1971 habe ich mich ausschließlich auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet und bin zum Mr. Germany Jr. gewählt worden. Mit dieser Meisterschaft hatte ich mich vorerst vom Wettkampfsport verabschiedet, da ich mich auf mein Pharmaziestudium konzentrieren wollte. An einem herrlichen Sonntagvormittag im Mai nach der Deutschen Meisterschaft hatte ich mein erstes professionelles Fotoshooting mit Albert Busek, der von Anfang an die Sportrevue, früher Kraft und Sport, dann Kraftsportrevue genannt, als Chefredakteur und Fotograf mitgestaltet hatte. Albert ist als jetziger Chefredakteur der deutschen Ausgabe von Flex und Muscle & Fitness inzwischen weltweit anerkannter Fotograf mit dem wohl größten Archiv aller Stars, der vielen Bodybuildern, Arnold Schwarzenegger eingeschlossen, zu Popularität verholfen hat.

So entstand also mein erstes Titelfoto vor der Linse eines Profis, aufgenommen mitten in München auf dem Königsplatz. Keine Nase rümpfenden Bemerkungen unter den Passanten, stattdessen Komplimente. Einige Schaulustige applaudierten sogar. Ich fühlte mich wie ein Star. Durch Mundpropaganda und Empfehlung von Andrew Irsay, einem englischen Bodybuilder, wurde Wayne Gallasch aus Australien, der als Kameramann und Fotograf für Classic Films arbeitete, auf mich aufmerksam gemacht. Man suchte einen Modell-Athleten vom Typ Zane und Reeves.

1973, also zwei Jahre nach meinem Sieg in München, nahm Wayne, mit dem ich inzwischen befreundet bin, schriftlichen Kontakt mit mir auf. Wir vereinbarten ein Foto- und Filmshooting in London. Im Hyde Park wurden Fotos geschossen, die unter anderem in der ersten Ausgabe des Muscle Mag International mit Story veröffentlicht wurden, sowie Filmaufnahmen auf Super8mm gemacht, die über Classic Films vertrieben wurden. Diese erste MMI-Ausgabe hat inzwischen einen Sammlerwert von 500 US$.

In den Jahren 1975 und 1976 entstanden während eines Deutschlandbesuchs von Wayne weitere Foto- und Filmaufnahmen, zum Beispiel vor dem Berliner Reichstagsgebäude und dem Hamburger Jenischpark. Außerdem organisierte ich während meiner Studentenzeit für Wayne Shootings mit verschiedenen Bodybuildern wie Hans Ringer, Jürgen Brandt, Hans Baus, Uwe Prink, Norbert Albrecht, Hubert Metz, Petr Stach und Superstar Sergio Oliva und unterstützte ihn bei Filmaufnahmen in Paris und Amsterdam. Ein Traumjob für mich als Student.

Inzwischen hatte auch Bob Kennedy schriftlichen Kontakt mit mir aufgenommen. Er plante eine Titelstory mit vielen Fotos und einer Werbekampagne mit mir. Zu diesem Zweck lud er mich nach Kanada ein. Kurz zuvor hatte er gerade ein Shooting mit Dave Draper, das bereits „im Kasten“ sei, wie ich von ihm erfahren hatte. „Mein“ Titelfoto entstand an seinem Pool. Weitere ganzseitig veröffentlichte Fotos wurden vor den Niagarafällen und in einem Studio in Toronto aufgenommen.

Hier findest du Part 2

von Winfried Dubbles
Fotos von Bob Kennedy






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